Bahnhof Oschersleben Als im November 1839 erstmals der Bau einer Eisenbahn- linie von Magdeburg nach Halberstadt erörtert wurde, wurden bei den Investoren schnell Stimmen klaut, die eine Verbindung nach Braunschweig forderten. Ohne ein An- bindung an die Staatsbahnen des Herzogtum Braunschweig und das Königreich Hannover würde eine solche Verbindung keinen Sinn machen, so die Investoren. Durch den Staats- vertrag zwischen dem Königreich Preußen, dem Königreich Hannover und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg wurde am 10. April 1841 der Bau der Strecke Wolfenbüttel- Oschersleben beschlossen. Am 15. Juli 1843 war es dann soweit. Die Eisenbahnstrecke der Magderburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft von Magdeburg nach Halberstadt sowie von Magdeburg nach Braunschweig wurde mit einem Festakt eröffnet. Pünktlich um 6:00 Uhr verließ der erste Zug Magdeburg zunächst in Richtung Braunschweig, wo er gegen 14:00 Uhr eintraf. Der Bahnhof Oschersleben war bereits zu dieser Zeit als Keil- und Trennungsbahnhof konzipiert worden. Während links vom Empfangsgebäude die Gleise von und nach Halberstadt verlegt wurden, befanden sich die Gleise von und nach Braunschweig rechts vom Empfangsgebäude. Mit der Lage in der Magdeburger Börde und den Anschluß der beiden Hauptstrecken wurde Oschersleben schon recht früh ein wichtiger Bahnknoten in der Region. Bereits 1848 verkehrte über Oschersleben eine der ersten Langlauf-Zugpaare in der Relation Berlin-Köln. Aufgrund seiner Grenznähe zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg erhielt der Bahnhof Oschersleben bereits 1843 erste bescheidene Anlagen zur Behandlung der Lokomotiven. Noch genügten ein kleiner zweiständiger Lokschuppen, ein kleines Kohlelager und eine Drehscheibe. Reste des Kohlelagers sind noch heute (2009) vorhanden. Nach der Übernahme der Bahnstrecken Magdeburg- Braunschweig und Magdeburg-Halberstadt durch die Preußische Staatsbahn wurde ein Umspannen der Loks in Oschersleben überflüssig. Zwei kleine Tenderloks reichten nun, um den Rangierbetrieb und einige Zugleistungen nach Halberstadt und Jerxheim abzuwickeln. Doch mit zunehmender Industrialisierung wurde schon bald erkennbar, dass die Gleisanlagen des Bahnhofs nicht mehr ausreichten. Im Zuge des weiteren Bahnhofsausbaus wurden auch die Behandlungsanlagen für die Lokomotiven erweitert. Zwischen 1900 und 1901 wurde der kleine Lokbahnhof in ein Bahnbetriebswerk umgebaut, dessen Bw-Ensemble noch heute weitestgehend, jedoch deutlich vom Verfall gezeichnet, erhalten ist. Bei diesem Umbau erhielt das Betriebswerk neben einem siebenständigen Ringschuppen mit Werkstatt, einen Wasserturm und eine neue Drehscheibe. In den Be- triebsbüchern der Königlich Preußischen Eisenbahn- direktion wurde das Betriebswerk Oschersleben bereits 1914 als Stationsschlosserei des Maschinenamtes Halberstadt geführt. Nach Gründung der Deutschen Reichsbahn im Jahre 1920 wurde die Stations- schlosserei Oschersleben in einen Lokbahnhof des Bahnbetriebswerks Halberstadt umbenannt. In Statis- tiken über Lokbestände vor 1945 wird Oschersleben zwar als Bahnbetriebswerk geführt, jedoch gibt es keine historischen Dokumente, die den Status eines eigenständigen Bahnbetriebswerk bestätigen. Obwohl in den Kriegsjahren des 2. Weltkrieges die Bedeutung des Bahnhofs zunahm, wurden die Bahnanlagen bei den Bombenangriffen der alliierten Streitkräfte am 28. Juli 1943, 11. Januar und 20. Februar 1944 nur geringfügig in Mitleidenschaft gezogen. Nach Einmarsch der amerikanischen Truppen am 11. April 1945 wurde auf Befehl des Truppenführung der, bis dahin noch intakte Bahnbetrieb zunächst umgehend eingestellt, doch bereits am 18. April 1945 wurde der planmäßige Zugbetrieb in Oschersleben wieder aufgenommen. Nur wenige Wochen später, als am 01 Juli 1945 die Streitkräfte der Sowjetunion in Oschersleben einmarschierten erfolgte erneut die Stilllegung jeglichen Eisenbahnbetriebs. Am 2. September 1945 nahmen die Besatzertruppen zunächst noch einen Übergabeverkehr nach dem, in der britischen Zone gelegenen Jerxheim auf, doch wurde dieser nach der Aufteilung Deutschlands in Ost und West im Mai 1946 endgültig eingestellt. Aufgrund der großen Zerstörungen in Magdeburg und Halberstadt mussten nun die Loks des Lokbahnhofs Oschersleben die Zugleistungen der dortigen Bahnbetriebswerke mit übernehmen. Sprunghaft stieg die Anzahl der stationierten Loks sowie des zugehörigen Personals an. Infolge der Entwicklung und der Umstrukturierung bei der DR wurde der Lokbahnhof Oschersleben zu einer selbständigen Dienststelle umfunktioniert. Am 01. Januar 1951 wurde dann offiziell aus dem Lokbahnhof Oschersleben das Bahn- betriebswerk Oschersleben. Nach nur 13-jährigen Bestehen des Bw Oschersleben wurde das Bw am 01. März 1963 als Aussenstelle erneut dem Bw Halberstadt unterstellt. Bis zum Eintreffen der ersten Rekoloks der Baureihe 50.35 bliebe der Lokbestand beinahe konstant. Bis dahin wurden alle stationierten Loks in Oscherleben gewartet und unterhalten. Erst mit Einsatz der 50.35 war dies nicht mehr möglich, da die Drehscheibe für die 50.35 zu klein war. Nach der Stilllegung der Strecke nach Gunsleben 1992 verlor Oschersleben zunehmend an Bedeutung. So kam es dann auch unweigerlich dazu, dass am 26. September 1992 das Bw Oscherleben geschlossen wurde. Die dort stationierten Lokomotiven sowie ein Großteil der Einrichtungen wurden nach Halberstadt überführt. Geblieben ist nur noch das Bw-Ensemble aus der Zeit von 1900. Hoffen wir, das wenigstens dieser Teil Deutscher Eisenbahngeschichte noch lange erhalten bleibt. Heute verkehren in Oschersleben nur noch die Züge des HarzElbeExpress (HEX) von Magdeburg nach Halberstadt und zurück. Nur noch selten durchfährt ein Güterzug, meist von bzw nach Blankenburg bzw. Rübeland den Bahnhof.
Die nachfolgenden Bilder zeigen, was im Jahre 2009 noch von dem einst wichtigen Bahnknoten Oschersleben übrig geblieben ist. Zunächst das Empfangsgebäude aus der Gründerzeit. Während das Bild ganz links das Portal des Empfangsgebäudes zum Mittelbahnsteig hin zeigt, sieht man auf dem dritten Bild von links das, zwischen den Gleisen gelegene, Eingangsportal zur Stadtseite. Auf dem zweiten Bild von links ist die Bahnsteigseite an den ehemaligen Gleisen nach Jerxheim zu sehen. Ganz rechts im Bild die Bahnsteigseite nach Halberstadt. Lediglich auf dieser Seite des Bahnhofs gibt es heute auch noch Zugbetrieb. 

An der Stelle, an der sich einst das Postamt befand steht heute dieses restaurierte Gebäude, das unmittelbar an den Bahnsteig auf der einen und dem Bushof auf der anderen Seite grenzt. Ganz rechts die Bahnhofsausfahrt in Richtung Halberstadt. Die beiden Bilder unten links zeigen die Reste des Bahnsteiges der Gleise nach Jerxheim. Während die Gleise bereits demontiert sind, sind die Bahnsteigkanten noch sehr gut zu erkennen. Das dritte Bild zeigt vom Südbahnsteig aus den Blick in Richtung der Überreste des Bahnbetriebswerkes. Das rechte Bild zeigt den Blick auf die Bahnhofsausfahrt in Richtung Magdeburg. 

Sechs Monate nach dem die beiden linken Bilder in der oberen Reihe entstanden, entstand die Aufnahme oben links. Ganz links im Bild erkennt man die Bahnsteigkante des Nordbahnsteigs (Bahnsteig 1). In der Bildmitte sind die Bahnsteigkanten des Bahnsteigs 2 zu erkennen, von dem weiter nichts mehr existiert. Das Bild oben rechts zeigt einen Blick über das Gelände der ehemaligen nördlichen Gleise. Hier befanden sich unter anderem zwei Laderampen und ein Stellwerk. Kurios ist auf diesem Bild, dass in der Bildmitte zu erkennende Lichthauptsignal. Während die Gleise bereits abgebaut wurden, steht das Signal im Juni 2009 noch in der Landschaft, als würde jeden Moment ein Zug in den Bahnhof einfahren. Das Bild oben rechts zeigt den Blick vom Bw über das Areal des ursprünglichen Südteils des Bahnhofs. Links auf dem Bild erkennt man im Hintergrund einen Aldi-Markt. An dessen Stelle befand sich einst der Güterschuppen. Das Bild unten zeigt zur Veranschaulichung den schematischen Gleisplan des Bahnhofs Oschersleben im Zustand von 1970. 


Oben sind einige Stellwerke des Bahnhofs Oschersleben zu sehen, die Anfang 2009 baulich noch vorhanden waren. In der oberen Reihe sind verschiedene Perspektiven des Stellwerks “Opf” zusehen, dass sich an der Spitze des Keilbahnsteiges befindet. In der unteren Reihe sind, von links nach rechts, die Stellwerke “Or” und “Ow” zusehen. Das Stellwerk “OrIII” steht unmittelbar am Bw und war zusätzlich Schrankenposten. Auch das Stellwerk “Ow” war unter anderem ein Schrankenposten, in dem die Ausfahrweichen in Richtung Halberstadt überwacht und geschaltet wurden. Das alte Bahnhofsschild (unten links) aus DR-Zeiten steht noch heute am nördlichen Bahnsteig 1, während Das neue Bahnhofsschild auf dem mittleren Bild unten ist an einem Laternenmast am Bahnsteig 2 (ehemals Bahnsteig 3) angebracht. Das rechte Bild zeigt den Fahrkarten- Automaten, der heute das Schalterpersonal ersetzt. Er steht an der Südfassade des alten Empfangsgebäudes unter der Bahnsteigüberdachung, die ebenfalls noch aus DR-Zeiten erhalten ist. 

Der Keilbahnsteig (Bahnsteig 1) war großzügig angelegt. Kam man aus dem Empfangsgebäude auf den Bahnsteig, stieß man direkt auf ein Rondell, das mit Blumen bepflanzt war (Bild oben rechts). unmittelbar dahinter befand sich das Abort-Häuschen für die Reisenden. Zusätzlich befand sich zwischen dem Abort- Häuschen und dem Stellwerk “Opf” eine kleine Wartehalle aus Backstein. Heute ist der Mittelbahnsteig fast vollständig verwuchert. Die Bilder unten Zeigen Ansichten des Bw´s bzw. das, was heute noch davon übrig ist. Das Bild unten links wurde bei frostigem Wetter am 2 Januar 2009 aufgenommen. Es zeigt das zwischen 1900 und 1901 erbaute Ensemble bestehend aus Wasserturm und Werkstatt. Auf dem Wasserturms ist mit gelber Farbe das Flügelrad der Deutschen Eisenbahnen aufgebracht. Ganz rechts ein Blick vom Stellwerk “Opf” auf das Bw mit Wasserturm, Werkstatt und Ringschuppen. 

Am 02. Januar 2009 waren noch einige Requisiten des alten Bw´s zu sehen. Auf dem linken Bild oben sieht man die Schlackengrube. Ganz rechts im Bild sind die Reste des Schlackenbansen noch deutlich erkennbar. Auf dem zweiten Bild von links ein Blick auf die Drehscheibe und der dahinter gelegenen Werkstatt. Das dritte Bild lässt, trotz Gestrüpp, einen Blick auf die Überreste des Ringschuppens zu. Deutlich erkennt man, dass die Tore lediglich nur bis zur Mitte zugemauert sind. Das Bild ganz rechts zeigt die westliche Seitenfassade des Ringschuppens. Hier befand sich bis zur Schließung des Bw´s der Kohlebansen und die Bekohlungsanlage von der heute nichts mehr zusehen ist Unten auf dem Linken Bild sind die, bereits vom Zerfall gezeichneten, Lokomotivschuppen der ehemaligen Zuckerfabrik zu sehen. Vom Bw aus gab es einen Anschluss zur Fabrik. Das Bild in der Mitte zeigt einen noch vorhandenen Wasserkran. Auf dem rechten Bild ist nochmals die Schlackengrube zu sehen, diesmal aus Richtung Drehscheibe aufgenommen, 

Am 14. Juni 2009 präsentierte sich die Drehscheibe im “grünen Mantel”. Völlig zugewachsen fristet sie ihr Dasein. Ein Blick in das Steuerhaus der Drehscheibe macht deutlich, wie sehr die Zeit der Drehscheibe zugesetzt hat. Leider sind solche Bilder heute keine Seltenheit mehr.
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